Editorial |
Der
wachsende Einfluss der englischen Sprache wird oft mit der Globalisierung
in Verbindung gebracht. In Nordeuropa hat das Englisch schon seit
Jahrzehnten eine starke Stellung, während in Südeuropa
das Französisch für lange Zeit die am weitesten verbreitete
Zweitsprache war, eine Bedeutung, die immer mehr zurückgedrängt
worden ist je mehr das Englisch an Wichtigkeit gewonnen hat. Diese
Entwicklung ist nicht spurlos an der Schweiz vorbeigegangen. Eine
kürzlich durchgeführte Untersuchung zeigt, dass ein
grosser Teil der französischsprachigen Bevölkerung es
leichter findet, sich auf Englisch statt auf Deutsch auszudrücken,
während viele Deutschschweizer sich leichter auf Englisch
statt auf Französisch zu verständigen scheinen. Für
die Italienischsprachigen bleibt Französisch die Sprache,
in der sie mit den Landsleuten am besten kommunizieren. Die Rolle
des Englischen in Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie kann
auch in der Schweiz nicht bestritten werden, auch wenn nicht alle
diese Tendenz gerne anerkennen. Englisch wird bisweilen als Bedrohung
für die nationale Einheit angesehen, und gewisse Kreise betrachten
es fast als minderwertige einfache Gebrauchssprache, die Sprache
der modernen Wirtschaft, der trivialen amerikanischen Film- und
Musikszene. Man behauptet daher, Englisch werde aus nur praktischen,
materiellen Überlegungen gelernt, hingegen diene das Französisch
(und bis zu einem gewissen Grad auch das Deutsch) der persönlichen
Entwicklung und der kulturellen Bildung.
Jedoch gibt es keinen Grund, das Lernen und Lehren des Englischen
auf rein utilitaristische Bedürfnisse zu reduzieren, wie
es einige Beiträge für diese Sondernummer von Babylonia
suggerieren. Englisch gibt den Studenten nicht nur Zugang zu einer
populären Kultur, sondern auch zu einer sehr reichen Kultur
der traditionell englischsprachigen Länder, sowie zu den
Kulturen anderer Länder, wo diese Sprache gesprochen wird.
In dieser Weise bietet Englisch viele Gelegenheiten für die
Entwicklung einer Sensibilität für interkulturellen
Austausch.
Die Lehrerinnen und Lehrer anderer Fremdsprachen reagieren manchmal
ziemlich ungehalten über den grossen Einfluss und die zunehmende
Präsenz des Englischen im Alltag der Jugendlichen. Umso mehr
möchte diese Babylonia-Nummer den Reichtum des Englischen,
seine Bedeutung für die Menschen in diesem Land aufzeigen,
und sie bietet viele didaktische Ideen an. Da Babylonia Brücken
zwischen den Sprachen und Kulturen bauen will, hoffen wir, dass
auch Lehrpersonen anderer Sprachen diese Ausgabe lesen und schätzen
werden, eine Sondernummer, die Teil einer Reihe über die
Sprachen in der Schweiz ist.
Die Redaktion
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