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Keine Fremdsprache ohne Erstsprache
Aktuelle Voraussetzungen für die
Hochdeutschförderung

Peter Sieber
Zürich
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Die Diskussionen um Sprachförderung waren in den letzten
Jahren von Fragen des Fremdsprachenlernens dominiert. Dabei ist
die Einsicht gewachsen, dass die Fähigkeit, über mehr
als eine Fremdsprache zu verfügen, in der Gegenwart und in
Zukunft eine unabdingbare Voraussetzung für gut ausgebildete
Menschen darstellt. Deshalb wurde im Rahmen der Eidgenössischen
Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) intensiv an einem Gesamtsprachenkonzept
gearbeitet. Zu einem Gesamtsprachenkonzept gehört
allerdings auch eine ausdrückliche und differenzierte Auseinandersetzung
mit der Erstsprache oder wie es im Gesamtsprachenkonzept
heisst mit der lokalen Landessprache.
Seit der Veröffentlichung des Gesamtsprachenkonzepts 1998
ist nebst der Diskussion um den Fremdsprachenunterricht in Französisch
und in Englisch, insbesondere um deren Beginn und Abfolge, in
neuerer Zeit in der Deutschschweiz eine deutlich stärkere
Auseinandersetzung mit dem Deutschen als Erstsprache festzustellen.
Für diese neue Gewichtung lassen sich mindestens zwei sehr
unterschiedliche Begründungen ausmachen:
Einerseits scheint bei manchen die Befürchtung vorhanden
zu sein, dass die starke Orientierung an Fremdsprachen zu einer
Vernachlässigung der Erstsprache führen müsse.
Dahinter steckt oftmals die ebenso simple wie falsche
Meinung, dass wir Menschen nur über eine eng begrenzte Menge
von Sprachlernfähigkeit verfügen. Und wenn diese auf
mehrere Sprachen aufgeteilt werde, bleibe für jede Sprache
nur wenig. Ein Mehr an Fremdsprachenlernen müsse so fast
zwangsläufig zu einem Weniger an Kompetenz in der Erstsprache
führen. Solche Vorstellungen gehen meist auch einher mit
der über lange Zeit unhinterfragten Ideologie, dass Menschen
grundsätzlich einsprachig seien und erst auf der Basis einer
stark gefestigten Erstsprache weitere Sprachen lernen könnten.
In diesem Zusammenhang wird schon seit Jahrzehnten vor den Gefahren
der Zweisprachigkeit (Leo Weisgerber, 1965) gewarnt. Aber:
Schon die tatsächlichen Lebensverhältnisse eines grossen
Teils von Sprachbenutzern strafen diese Vorstellungen Lügen.
Andererseits wird aus dem Wissen und der Erfahrung heraus argumentiert,
dass auch Fremdsprachenlernen nicht ohne Förderung der Erstsprache
auskommt. Hier wird die Förderung der Erstsprache
oder der lokalen Landessprache, wie man mit Blick auf die multilingualen
Verhältnisse in vielen Schulen präziser sagen müsste
im Zusammenhang gesehen mit der notwendigen Sprachförderung
insgesamt. Unter diesem Blickwinkel soll im Folgenden die Diskussion
um den Deutschunterricht näher beleuchtet werden. [...]
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